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Kreis Recklinghausen

Ukraine-Flüchtlinge im Kreis Recklinghausen – Verwaltungen auf Herausforderungen vorbereitet

Etwa 1850 Flüchtlinge aus der Urkaine sind mittlerweile in den Städten des Kreises Recklinghausen angekommen. Insgesamt 2408 von 2844 Plätzen in den städtischen Unterkünften sind Stand 22. März belegt, Tendenz steigend.

Ukrainehilfe
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Etwa 1850 Flüchtlinge aus der Urkaine sind mittlerweile in den Städten des Kreises Recklinghausen angekommen. Insgesamt 2408 von 2844 Plätzen in den städtischen Unterkünften sind Stand 22. März belegt, Tendenz steigend. Die Anzahl von Unterbringungsmöglichkeiten wird konsequent erhöht. Was aber bedeutet die große Anzahl von Geflüchteten aber für die Kommunen? Wie bereiten sie sich auf weitere Neuankömmlinge vor und was muss alles bedacht werden? Zu diesen und weiteren Themen standen die Kreisverwaltung Recklinghausen, die Bürgermeister Christoph Tesche und Rajko Kravanja sowie Vertreter der Hilfsorganisationen bei einem Pressetermin Rede und Antwort.

„Der Krieg in der Ukraine macht uns alle fassungslos. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, wie sich die Menschen fühlen, die voller Angst ihre Häuser und Wohnungen, ihre Heimat verlassen auf der Suche nach Sicherheit“, beschreibt Landrat Bodo Klimpel. Wichtigste Aufgabe sei es, ihnen diese Sicherheit zu bieten und sie mit offenen Armen zu empfangen. „Wir waren und sind noch immer beeindruckt von der Hilfsbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger. Am Ende brauchen wir aber auch ein geregeltes Vorgehen und Strukturen, die über die reine Unterbringung hinausgehen. Gesundheitsfragen beispielsweise dürfen nicht außer acht gelassen werden.“

Mit diesen vielschichtigen Themen beschäftigt sich im Kreis Recklinghausen ein eigener Krisenstab unter Leitung von Fachbereichsleiter Dominik Schad. Darüber hinaus gibt es einen regelmäßigen Austausch mit den Städten, mit der Bezirksregierung sowie dem Land. „Wir müssen im Moment in vielen Bereichen Wege finden, die die verschiedenen Faktoren berücksichtigen und gleichzeitig unser Hauptziel, den Menschen einen sicheren Hafen zu bieten, nicht aus den Augen verlieren. Uns ist klar, dass es dazu Kompromisse und unbürokratische Angebote geben muss“, so Landrat Bodo Klimpel.

Wie angespannt die Situation in den Städten mittlerweile ist, beschreiben die Bürgermeister Christoph Tesche (Recklinghausen) und Rajko Kravanja (Castrop-Rauxel). Tesche: „Täglich kommen neue Flüchtlinge an. Die aktuell bestehenden Kapazitäten in Recklinghausen sind nahezu ausgeschöpft. Wichtig ist, dass der Zustrom der Flüchtlinge nicht weiter unkontrolliert erfolgt, sondern auf alle Kommunen gleichermaßen aufgeteilt wird.“ Seit dieser Woche gibt es ein vom Land gesteuertes Verfahren, bei dem den Kommunen gemäß eines festgelegten Schlüssels Personen zugewiesen werden, die untergebracht werden müssen. „Die große Zahl von Menschen aufzunehmen, stellt uns vor große Herausforderungen. Natürlich tun wir aber unser Möglichstes, um diese Herausforderung so schnell und so gut es geht zu bewältigen.“

Bürgermeister Rajko Kravanja stellt heraus, wie wichtig die gute Zusammenarbeit der Kommunen ist: „Wir müssen uns untereinander helfen. Das geschieht zum Glück seit dem ersten Tag durch ein gutes Miteinander des Kreises Recklinghausen und der zehn Städte in enger Abstimmung mit der Bezirksregierung.“

Neben den vielen kleineren Einrichtungen sieht die Planung des Landes vor, dass zwei weitere Zentrale Unterbringungseinrichtungen (ZUE) in Recklinghausen und Castrop-Rauxel eingerichtet werden. „Das wird die Gesamtsituation sicherlich ebenfalls verbessern“, sagt Rajko Kravanja.

Sporthalle Kuniberg wird Puffereinrichtung

Alle Geflüchteten, die in Nordrhein-Westfalen ankommen, werden zunächst in den ZUEs des Landes untergebracht. Von dort aus werden sie auf die Städte verteilt. Sollte es dazu kommen, dass das Land einer Kommune Geflüchtete zuweist, die von der jeweiligen Stadt nicht sofort untergebracht werden können, springt der Kreis im Rahmen seiner bestehenden Möglichkeiten mit seiner sogenannten „Puffereinrichtung“ kurzfristig ein. Diese wird derzeit in der Sporthalle des Kuniberg-Berufskollegs in Recklinghausen eingerichtet und soll zu Beginn der kommenden Woche einsatzbereit sein. Die Einrichtung bietet dann Schlafplätze für etwa 120 Personen. Betrieben wird sie durch den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), der gemeinsam mit den anderen Hilfsorganisationen auf die Erfahrungen mit den Flüchtlingsunterkünften aus dem Jahr 2015 zurückgreifen kann.

Neben der Unterbringung der Geflüchteten spielen aktuell vor allem Gesundheitsthemen eine wichtige Rolle. So werden auf Weisung des Gesundheitsamts alle Personen auf das Coronavirus getestet, bevor sie in Unterkünfte einziehen können. In den großen Einrichtungen finden darüber hinaus regelmäßige Testungen durch das Deutsche Rote Kreuz statt. „Die Pandemie ist noch nicht vorbei und darf auch hier nicht aus den Augen verloren werden“, berichtet Dominik Schad. Für Corona-infizierte Personen organisiert der Kreis aktuell eine zusätzliche Unterbringungsmöglichkeit im Kreisgebiet, um das Virus bestmöglich aus den Gemeinschaftsunterkünften fernzuhalten.

Mobile Impfangebote und Tuberkulose-Untersuchung

Die Impfung gilt in Deutschland – nicht erst seit der Coronapandemie – als eine der effektivsten und wichtigsten Präventionsmaßnahmen, um die Ausbreitung von Infektionskrankheiten zu verhindern. Aus diesem Grund sollen wichtige Impfungen auch kurzfristig den Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet sind, angeboten werden. Die ersten mobile Impfaktionen fanden organsiert durch die Koordinierende Covid-Impfeinheit des Kreises bereits in städtischen Unterkünften in Recklinghausen statt. Auch in den ZUEs des Landes wird es Impfangebote geben.

Der Kreis Recklinghausen hält es außerdem für notwendig, die Kriegsflüchtlinge neben der Corona-Schutzimpfung mit weiteren Impfungen zu versorgen. Dazu zählen der 4-fach-Impfstoff gegen Tetanus (Wundstarrkrampf), Diphtherie, Kinderlähmung (Poliomyelitis) und Keuchhusten (Pertussis) sowie die Masern-Mumps-Röteln Impfung. „Wir bieten den Geflüchteten bei unseren mobilen Impfaktionen somit drei verschieden Impfungen an. Dies ist wichtig, um die Menschen vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen, und gleichzeitig zu verhindern, dass Krankheiten wieder ausbrechen, die bei uns nahezu verschwunden sind“, fasst KoCI-Chef Patrick Hundt zusammen. Für die Impfungen konnte unter anderem medizinisches Personal gewonnen werden, das Ukrainisch spricht. Finden Impfungen ohne Beteiligung dieser statt, kümmert sich die Verwaltung um Übersetzer.

Verpflichtend ist in Gemeinschaftsunterkünften außerdem die Untersuchung auf Tuberkulose (TBC). Diese wird derzeit von Ärzten des Gesundheitsamtes in Kooperation mit niedergelassenen Ärzten und Kliniken durchgeführt. Tuberkulose ist eine der weltweit häufigsten Infektionskrankheiten. Die Krankheit wird durch Bakterien hervorgerufen, die meist die Lunge befallen, aber auch andere Organe angreifen können. „In Gemeinschaftseinrichtungen, in denen viele Menschen längere Zeit auf engem Raum unterkommen, ist das Risiko einer Ansteckung am größten. Das soll durch die Untersuchung verhindert werden“, berichtet Schad.

Registrierung, Hilfsangebote und Schulpflicht

Jeder Flüchtling, der im Kreis Recklinghausen unterkommt, muss von der kommunalen Ausländerbehörde registriert werden. Das gilt auch für diejenigen, die in privaten Wohnungen oder Häusern untergekommen sind. „Wichtig ist das aus mehreren Gründen. Nur wer als Flüchtling registriert ist, erhält Zugang zu medizinischer Versorgung oder auch zum Arbeitsmarkt. Für Kinder gilt nach der Registrierung die Schulpflicht. Damit die Kinder zur Schule gehen können, müssen sie bei der Ausländerbehörde anerkannt sein“, erläutert Dominik Schad. Unterstützung für den Einstieg und die Vermittlung zur entsprechenden Schule bieten die sogenannten Seiteneinsteigerberater. Diese sind meist Teil der städtischen Schulämter. Koordiniert werden sie vom Kommunalen Integrationszentrum des Kreises Recklinghausen.

Das Kommunale Integrationszentrum unterstützt mit seinem „Sprachmittler*innen-Pool“ darüber hinaus bei sprachlichen Hürden. So können Sprachmittler beispielsweise helfen, kommunikative Barrieren bei Behördenangelegenheiten, im Bereich Schule und Bildung oder in anderweitigen öffentlichen und sozialen Einrichtungen zu überwinden. Aktuell befinden sich knapp 50 ehrenamtliche Sprachmittler für Ukrainisch im Pool, weitere Freiwillige werden zeitnah geschult.

Mitgebrachte Haustiere

Eine weitere Herausforderung stellen Haustiere dar, die die Menschen bei ihrer Flucht nach Deutschland mitbringen, da es in der Ukraine immer wieder Fälle von Tollwut gibt. Deutschland hingegen gilt als tollwutfrei. Besonders Hunde, Katzen und Frettchen müssen deshalb unbedingt durch einen Tierarzt untersucht und gegen Tollwut geimpft werden. „Wir haben bereits Gespräche mit Tierärzten und der Tierärztekammer geführt, die sich bereiterklärt haben, diese Leistungen günstiger anzubieten. Dafür sind wir und sicherlich auch die Tierbesitzer sehr dankbar“, berichtet Dr. Siegfried Gerwert, Leiter des Veterinäramtes des Kreises Recklinghausen. „Wir brauchen in dieser Situation pragmatische Ansätze, die das Wohl von Mensch und Tier berücksichtigen. Wir müssen aber genauso darauf achten, dass Tierseuchen wie Tollwut nicht wieder in Deutschland ausbrechen.“

Neben Untersuchung und Impfung gebe es außerdem strenge tierseuchenrechtliche Bestimmungen für die Tiere. Darunter eine Quarantänepflicht: Die Tiere dürfen keinen Kontakt zu anderen Tieren oder fremden Menschen haben. Aufgrund der besonderen Krisensituation haben sich die Bundesländer in Abstimmung mit dem Friedrich-Loeffler-Institut mittlerweile auf ein erleichtertes Verfahren bei der Einführung von Haustieren aus der Ukraine geeinigt. Wer einen Hund, eine Katze oder ein Frettchen mitgebracht hat, muss sich schnellstmöglich mit dem Veterinäramt in Verbindung setzen. Das Veterinäramt des Kreises Recklinghausen ist telefonisch über die Telefonnummern 02361 532125 oder per E-Mail an fd39@kreis-re.de zu erreichen.

Eine besondere Herausforderung ist die gesetzliche Vorgabe, dass in größeren Gemeinschaftseinrichtungen keine Tiere gehalten werden dürfen. Das Land hat zugesagt, ein Netzwerk von privaten Organisationen und Verbänden, die alternative Unterbringungsmöglichkeiten bei Privatpersonen zur Verfügung stellen können, aufzubauen. Ähnliche Angebote gibt es bereits in einigen Städten des Kreises.

Quelle: Pressestelle des Kreises Recklinghausen

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