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„RUHE GIBT ES NICHT MEHR“ – Das Schauspielhaus Bochum stellt die neue Spielzeit vor

Bei einer Pressekonferenz im Schauspielhaus Bochum wurde heute das Programm der Spielzeit 2022/2023 präsentiert. Intendant Johan Simons, Chefdramaturg Vasco Boenisch, Cathrin Rose als Leiterin des Jungen Schauspielhaus und Annika Bode als Mitglied des Jugendaufsichtsrates Drama Control stellten 21 Premieren vor, die in der neuen Saison den Spielplan des Schauspielhaus Bochum und des Theaterreviers für Kinder und Jugendliche prägen werden.

Schauspielhaus Bochum
„RUHE GIBT ES NICHT MEHR“ - Das Schauspielhaus Bochum stellt die neue Spielzeit vor (c) SB Alexander Kruse - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86955007

Bei einer Pressekonferenz im Schauspielhaus Bochum wurde heute das Programm der Spielzeit 2022/2023 präsentiert. Intendant Johan Simons, Chefdramaturg Vasco Boenisch, Cathrin Rose als Leiterin des Jungen Schauspielhaus und Annika Bode als Mitglied des Jugendaufsichtsrates Drama Control stellten 21 Premieren vor, die in der neuen Saison den Spielplan des Schauspielhaus Bochum und des Theaterreviers für Kinder und Jugendliche prägen werden.

Der Spielbetrieb startet in diesem Jahr parallel mit dem großen Theaterfest am 28. August mit ausgewählten Vorstellungen in den kommenden Tagen und Wochen. Die erste Premiere an der Königsallee ist dann am 9. September die Uraufführung des Romans Dem Freund, der mir das Leben nicht gerettet hat des französischen Schriftstellers Hervé Guibert. Die Inszenierung von Florian Fischer spürt am Beispiel der Aids-Epidemie Ende der 80er Jahre der Frage nach, wie tödliche Krankheiten menschliche Beziehungen beeinflussen und welche Rolle die Pharmaindustrie hierbei spielt. Am 10. September folgt im Schauspielhaus Johan Simons‘ Neuinszenierung von Euripides‘ Alkestis. Das antike Drama über falsche Entscheidungen, den Sinn von Tod und Leben sowie die Frage nach der Bereitschaft, sich für einen anderen Menschen aufzuopfern, entsteht als Koproduktion mit dem renommierten Epidaurus-Festival in Griechenland, wo die Produktion am 1. Juli Weltpremiere feiert.

Johan Simons: „Mein Eindruck ist, dass uns Theatermachern in diesen turbulenten Zeiten die Themen geradezu heimsuchen. Ruhe gibt es nicht mehr: Krieg, soziale Spaltung, Machtpolitik, Diskriminierung, Klimawandel und Klimaschutz, Aufbruch der jungen Generation, neue Solidarität, Debatten um Teilhabe und Chancengleichheit – wir können uns vor wichtigen Themen nicht retten.“

Mit Kinder der Sonne stellt sich die slowenische Regisseurin Mateja Koležnik, bekannt für ihre psychologisch genauen, atmosphärisch dichten Inszenierungen, dem Bochumer Publikum vor. Ihre Inszenierung von Maxim Gorkis tragikomischer Bestandsaufnahme einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft feiert am 7. Oktober Premiere im Schauspielhaus.

Im Rahmen des Kooperationsprojektes „Transfer Zürich/Bochum“ gibt es ein Wiedersehen mit Regisseur Christopher Rüping, dessen Bochumer Inszenierung „Das neue Leben – where do we go from here“ zum Berliner Theatertreffen 2022 eingeladen war. Einfach das Ende der Welt nach Jean-Luc Lagarce erzält die Geschichte um einen Sohn, der nach zwölf Jahren zu seiner entfremdeten Familie zurückkehrt, und feiert am 26. Oktober Deutschland-Premiere im Schauspielhaus.

Vasco Boenisch: „Eine große Herausforderung für uns Theatermachende wird weiter sein, dass unser Publikum trotz Pandemie zurück in die Theater kommt. Wir merken, dass es eine Sehnsucht gibt, an Geschichten und menschlichen Schicksalen teilzuhaben. Diese prägen unsere neue Spielzeit, verknüpft mit gesellschaftspolitisch drängenden Fragestellungen – und durchaus auch mit Humor.“

Das Schauspielhaus Bochum und die niederländische Toneelgroep Amsterdam (ehemals De Warme Winkel) widmen sich bei ihrem ersten Kooperationsprojekt dem NS-Konzentrationslager Dachau und der europäischen Erinnerungskultur – durchaus auch mit feiner Ironie. Der Bus nach Dachau, mit niederländischen und deutschen Schauspielern, die jeweils eine eigene, länderspezifische Perspektive auf den Ort entwickeln, feiert am 5. November Uraufführung in den Kammerspielen.

Das Märchen Die Schöne und das Biest ist das diesjährige Familienstück zur Winterzeit. Die berührende Geschichte über Mut, Neugier und Liebe wird in der fantasievollen und gewitzten Theaterfassung von Lucy Kirkwood und Katie Mitchell von Regisseurin Katharina Birch auf die Bühne gebracht und ist ab dem 26. November im Schauspielhaus zu sehen.

Cathrin Rose: „Gute Märchen altern nicht und so ist es auch bei dieser Geschichte aus dem 16. Jahrhundert. Wer bestimmt eigentlich, wer oder was wir sind? Was schön ist und was ungeheuerlich? Und was braucht es, um hinter die Fassaden zu schauen?“

Hinter dem Namen BVDS stecken die niederländischen Theatermacherinnen Suzan Boogaerdt und Bianca van der Schoot, die sich mit ihren innovativen Arbeiten zwischen Performance und Installation bewegen, stetig auf der Suche auch nach einer transhumanen Ästhetik, und die nach Headroom mit einer Neukreation ans Schauspielhaus Bochum zurückkehren. Underworlds – A Gateway Experience feiert am 20. Januar 2023 Uraufführung in den Kammerspielen und begibt sich mit dem Publikum auf eine feministische Reise in die Unterwelten des eigenen (Un-)Bewusstseins.

Das Tierreich von Jakob Nolte und Michel Decar ist die Erzählung eines Sommers durch eine Gruppe Jugendlicher – und ein Panorama des Erwachsenwerdens. Für 21 jungen Menschen geht es um Politik und Philosophie, um Liebe, Rache, Neid. Ein idealer Stoff, inszeniert von Friederike Heller, für das langjährige Kooperationsprojekt zwischen Schauspielhaus Bochum und Folkwang Universität der Künste, bei dem sich der dritte Schauspiel-Jahrgang dem Publikum vorstellt. Premiere: 4. März 2023 in den Kammerspielen.

Regisseur Tom Schneider, der in Bochum bereits „Bilder deiner großen Liebe“ und „Die Hydra“ inszenierte, macht sich anhand von Joseph Ponthus‘ preisgekröntem Roman Am laufenden Band. Aufzeichnungen aus der Fabrik auf eine theatral-musikalische Spurensuche in die Schattenbereiche unserer Arbeitswelt. Die deutsche Erstaufführung des Stücks ist ab dem 24. März 2023 in den Kammerspielen zu sehen.

Für ihre zweite Inszenierung in Bochum nach „Lorenzaccio“ von Alfred de Musset wird sich Nora Schlocker mit einem zeitgenössischen Text, den 100 frei zusammensetzbaren Szenen des Stückes [BLANK] der britischen Schriftstellerin Alice Birch auseinandersetzen. [BLANK] zeigt Kinder und Familien, die mit dem Straf- und Sozialsystem in Berührung kommen sowie ihre Bemühungen, aus dem Kreislauf von Gewalt und Missbrauch auszubrechen. Je nach Auswahl der Szenen entstehen variierende Geschichten und Figuren, die mehr sind als die Summe ihrer Verletzungen. Premiere am 31. März 2023 im Schauspielhaus.

Ausgezeichnet mit dem Nestroy als Beste Aufführung im deutschsprachigen Raum und mit dem Nestroy für Steven Scharf als Bester Schauspieler, feiert im April 2023 Johan Simons‘ Woyzeck seine Deutschland-Premiere im Schauspielhaus. In der mit dem Wiener Burgtheater koproduzierte Inszenierung versetzt der Regisseur Georg Büchners bahnbrechendes Fragment in die Manege eines Zirkus‘ und entlockt dem Text so völlig neue Facetten und Interpretationen.

Johan Simons bereits für Januar 2022 geplante Neuinterpretation von William Shakespeares blutdurstigem Machtdrama Macbeth mit Jens Harzer in der Titelrolle musste in der vergangenen Saison abgesagt werden – zu kurz war der von der Pandemie unterbrochene Probenzeitraum. Am 12. Mai 2023 wird die Premiere im Schauspielhaus nachgeholt.

Als Übernahme vom Schauspielhaus Zürich ist ab Ende Mai 2023 im Schauspielhaus Bochum Christopher Rüpings Inszenierung Miranda Julys Der erste fiese Typ zu sehen. Der Regisseur bringt die hochnotkomische Beziehungsgroteske gemeinsam mit den Schauspielerinnen Maja Beckmann und Anna Drexler, der Sängerin Brandy Butler und der Videokünstlerin Rebecca Meining auf die Bühne.

Daneben wird es weitere Neuinszenierungen geben, deren Titel zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht feststehen.

So inszeniert Regisseur Robert Gerloff, nach Mitwirkung beim Bochumer Rumpel Pumpel Theater in der Saison 2017/2018, erstmals einen abendfüllenden Stoff am 2. Dezember 2022 in den Kammerspielen – garantiert mit viel Humor und Sinn für Situationskomik. Gerloff ist bekannt für seine energiegeladenen und fantasiereichen Inszenierungen. Er arbeitete bisher u. a. am Düsseldorfer Schauspielhaus, Volkstheater Wien, Theater Neumarkt in Zürich und dem Schauspiel Frankfurt.

Der Schauspieler Guy Clemens stellte sich 2021 mit der Inszenierung des schwarzhumorigen Dramas Der Kissenmann erstmals dem Bochumer Publikum als Regisseur vor. Nun bereitet er seine zweite Regiearbeit am Schauspielhaus Bochum vor, die am 28. Januar 2023 Premiere im Schauspielhaus feiert.

Johan Simons und Sandra Hüller verbindet eine langjährige Arbeitsbeziehung, aus der viele außergewöhnliche Inszenierungen hervorgegangen sind, zuletzt am Schauspielhaus Bochum Penthesilea und Hamlet, für die Sandra Hüller jeweils zur Schauspielerin des Jahres gewählt wurde. Anfang des Jahres 2023 kommen beide Künstler wieder für eine Neuinszenierung zusammen. Wie in Hamlet wird auch Gina Haller mit auf der Bühne stehen, die für ihre Interpretation der Ophelia 2020 zur Nachwuchsschauspielerin des Jahres gewählt und mit dem Kunstpreis Berlin ausgezeichnet wurde. Premiere: 3. März 2023 im Schauspielhaus.

Im Theaterrevier, der Spielstätte für Kinder und Jugendliche, startet die neue Saison bereits am 28. August mit der Uraufführung von Mädchenschrift (für Menschen ab 16 Jahren) in der Regie von Selen Kara. Das Auftragswerk von Özlem Özgül Dündar hinterfragt, warum es bestimmte Bilder von Weiblichkeit gibt und woher der Drang kommt, Frauen und ihre Körper zu bewerten. Raus aus dem Theater und rein in die Klassenzimmer geht es ab dem 10. September mit der berühmten Erzählung Der kleine Prinz (für Menschen ab 6 Jahren), die Regisseur Thorsten Bihegue für dieses besondere Aufführungsformat inszeniert. Das Objekttheater Wie Rosie den Käsekopter erfand (für Menschen ab 5 Jahren / Regie: Sara Hasenbrink) nach dem gleichnamigen Kinderbuch von Andrea Beaty und David Roberts feiert nach einer Corona-bedingten Absage im vergangenen Jahr nun am 11. September endlich Premiere. Als Kooperation mit der Jungen Bühne Bochum bringt Regisseurin Martina van Boxen ab dem 28. Januar 2023 Mark Twains märchenhafte Erzählung Der geheimnisvolle Fremde auf die Bühne. Am 13. Mai 2023 schließlich feiert Control (AT / für Menschen ab 14 Jahren) der Performancegruppe Henrike Iglesias Premiere – die erste Produktion, die komplett von der Drama Control, dem Jugendaufsichtsrat im Theaterrevier, beauftragt wird.

Annika Boden: „Jungen Leuten wird ihre Bedeutsamkeit in der Kunst häufig zu Unrecht abgesprochen, im Theaterrevier ist das anders, hier sind wir wichtig und das wissen wir. Hier wurde eine neue Machtposition geschaffen, und wir nutzen sie.“

Das Oval Office, die Spielstätte im Untergeschoss des Schauspielhauses, das seit 2018 als Medienkunstzentrum genutzt wurde, erhält mit der Spielzeit 2022/23 ein neues künstlerisches Konzept. Umgestaltet nach den Plänen des jungen Bühnenbilders Xiaozhou Liao, werden hier zukünftig Literatur und Musik, Theater, Gespräch, Aktivismus und Dramatik aufeinandertreffen, in eigenen Projekten des Ensembles, junger Regisseure und immer mit besonderer Nähe zum Publikum.

Weiterhin an der Königsallee zu sehen, sind zahlreiche beliebte Stücke aus dem Repertoire. Dazu gehören Lies Pauwels XXL-Theaterkreation Baroque, die skurril-humorvolle Jubiläumsshow Die Hermannsschlacht – allerdings mit anderem Text und auch anderer Melodie von Barbara Bürk und Clemens Sienknecht, der emotionale Liederabend Mit anderen Augen von Selen Kara und Torsten Kindermann oder Christopher Rüpings gefeierte Inszenierung Das neue Leben. Ebenso im Programm verbleiben Johan Simons‘ vielbeachtete Arbeiten HamletIwanow oder Ödipus, Herrscher. Darüber hinaus gibt es ein Wiedersehen mit Stephanie van Batums fulminantem Abend Don’t Worry Be Yoncé.

Als neues Mitglied im Ensemble begrüßt das Schauspielhaus Bochum die Schauspielerin Stacyian Jackson, die vom Wiener Burgtheater nach Bochum kommt.

Der Kartenvorverkauf für die neue Spielzeit beginnt am 10. August. Weitere Infos zum Programm finden Sie auf der Website des Theaters unter www.schauspielhausbochum.de.

Quelle: Schauspielhaus Bochum

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