Standort des Engelbert-Denkmals

Abgestellt. Engelbert ohne Brunnen wird erneut umgesetzt.

Abgestellt hat man vor gut zehn Jahren den Engelbertbrunnen. Er war ein Ankerpunkt, ja der Treffpunkt, im Szeneviertel Bermudadreieck. Abgestellt wurde auch das Denkmal von Graf Engelbert III. von der Mark: Unter einem Baum am Rande der Straße Kerkwege. Hier fällt er nicht mehr auf. Schade findet mancher. Auf Engelbert III. und seinen Großvater Engelbert I. gehen Stadtgründung und die Stiftung des Bochumer Maiabendfestes zurück. Das Relief am Sockel der Statue zeigt dieses Geschichte. Eine Plakette gibt dem unkundigen Betrachter diesen Hinweis zum Engelbertbrunnen, der kein Brunnen mehr ist. Jetzt soll Engelbert wieder umgestellt werden. Allerdings nicht erkennbar an einen besseren Platz.

Historisch stand schon das Vorgängerdenkmal seit 1910 ungefähr an der heutigen Stelle. Der genaue Platz soll dort sein, wo gerade das Café Extrablatt liegt. Der vielen Bochumer bekannte Brunnen stand bis vor zehn Jahren mehr vor der berühmten Dönnighaus-Bude, benannt nach einem Wurstlieferanten für die besungene Currywurst. Dass der Brunnen abhanden kam, war ein Schildbürgerstreich. Auch die Ruhrbarone berichteten damals darüber: Der bestellte Brunnen konnte aus statischen Gründen nicht aufgestellt werden. Der für seine Aufstellung notwendige 120-Tonnen-Kran war zu schwer für die Statik des Platzes oberhalb der U-Bahn.

So verlor der Engelbert 2010 seinen Brunnen. Und 2015 verlor auch der Platz seinen Namnen. Die Stadtbahnhaltestelle wurde umbenannt von „Engelbertbrunnen / Bermudadreieck“ in „Bermuda3Eck / Musikforum“. Der Bedeutungsverlust des einstigen Treffpunkts kann größer kaum sein. Engelbert, sein Brunnen und Platz verschwinden aus dem öffentliche Bewusstsein. Und daher ist es verständlich, dass sich die Bochumer Maiabendgesellschaft einen anderen Standort wünscht. Sie hatte der Stadt einst das Denkmal geschenkt, so auch seine Wiederherstellung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Neue Heimat in historischem Kern

Abgestellt werden soll Engelbert jetzt an der Propsteikirche. Auch das ist ein historischer Bezugspunkt. Hier befand sich einst die Altstadt von Bochum. Hier stand der Reichshof Karls des Großen, aus dem Bochum entstanden ist. Nachdem einige Vorschläge verworfen wurden, soll Engelbert aber zukünftig nicht etwa auf dem Platz „An der Propstei“ stehen. Nein, er wird wieder am Straßenrand abgestellt. Ist es der Stadt denn nicht mehr wert, ihre Gründer und ihre Traditionen hervorzuheben.?

Der Verkehrsausschuss des Stadtrates wird von Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) mit der Beratung betraut. Das ist schon ein Zeichen, wenn die Standortfrage keine der Kultur, der Stadtentwicklung, sondern der Verkehrssicherheit ist. Verkehrlich stellt es sicher kein Problem dar, wenn der Engelbert jetzt an der Großen Beckstraße abgestellt wird.

Die Kosten für das Umstellen und Aufstellen an neuer Stelle betragen 10.000 €. Das Geld kommt von den Maischützen im Wege einer Spende. Ich bin ihnen dankbar für ihr Engagement, im Rahmen ihrer Möglichkeiten sich um die Stifter der Stadt zu kümmern. Mit 10.000 € ließe sich viel anderes von Ihnen bewegen. Für die Stadt als Institution – für Verwaltung und Rat – ist es beschämend, dass hier kein eigenes Engagement erfolgt. Dafür kennt der Verwaltungsvorstand schon den Termin, wenn er das Denkmal an neuem Standort einweihen will: Am letzten Wochenende im März, vor dem Beginn der jährlichen Feierlichkeiten zum Maiabendfest. Schön, wenn andere bezahlen. Erbärmlich dieser Umgang mit Tradition und Historie. Engelbert und die Maischützen haben mehr verdient.

Eine Bochumer Geschichte ganz nach Hieronymus Jobs

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